Feste und Traditionen

Die Mallorquiner feiern oft und gerne. Es gibt viele Feiertage und noch mehr Feste. Jeder Ort hat seinen Schutzheiligen oder seine Schutzheilige.
Los geht es am 5. Januar mit dem Einzug der Heiligen Drei Könige in vielen Orten der Insel. An Küstenorten wie Palma, Alcudia, Pollenca, El Arenal oder Puerto Portals landen die Könige mit ihrem Gefolge im Hafen an und ziehen dann in einer festlichen Prozession meist zum Rathaus. Die Prozession ist begleitet von Motivwagen, von denen für die Kinder Bonbons geworfen werden. Später verteilen die Reyes Geschenke an Kinder (deren Eltern diese tags zuvor beschriftet im Rathaus abgegeben haben). Der eigentliche Dreikönigstag, das hiesige Weihnachten, findet dann am 6. Januar statt.
Am 16/17. Januar feiert man in vielen Orten den Heiligen Sant Antoni, den Beschützer der Tiere. Sämtliche Tiere, die ihm vorgestellt werden – seien es Hunde, Katzen, Pferde, Kühe oder Meerschweinchen – werden von dem Heiligen gesegnet. Begleitet wird die Weihe von Festivals und Volkstänzen. In Sa Pobla ist die Segnung besonders eindrucksvoll, weil dort vor allem Nutzvieh gesegnet wird: Kühe, Schafe, Pferde, Esel, etc.. Am Vorabend von Sant Antoni gibt es in diversen Orten schon Volksfeste ihm zu Ehren: Immer wieder versuchen die Mächte des Bösen (Teufel – dimonis) den Heiligen Antonius in Versuchung zu führen. Dieser zündet Feuer an zu seinem Schutz und mit dem Zeichen des Kreuzes gebietet der Heilige den Unholden Einhalt. In ihrem Zorn zerschmeißen diese laut und klirrend Geschirr und machen den Besuchern Angst. Möchte man an dem Spektakel teilnehmen, sollte man sich alte Baumwollsachen anziehen, denn immer wieder landen kleine Funken auf den Besuchern. Es werden Feuerwerkskörper mitten in der Menge gezündet und die Dimonis fuchteln mit Feuerlanzen herum.
Bei der Tiersegnung in Palma am folgenden Tag ist der Ablauf wie folgt: Die Tierbesitzer stellen sich ab 10 Uhr vor der Kathedrale auf, ab 11 Uhr wird mit dem „Heiligen Antonius“-Darsteller die Heilige Messe abgehalten. Anschliessend zieht die ganze Prozession – mit dem Heiligen Antoni vorweg – durch die Fußgängerzone zu der etwa 1,5 km entfernten Sant Miguel-Kirche. Dort wird jedes Tier einzeln plus Besitzer mit Weihwasser gesegnet. Am häufigsten waren Hunde vertreten, sie machten bestimmt achtzig Prozent der tierischen Teilnehmer aus. Dazu: Katzen, Meerschweinchen, Mäuse, Goldfische. Die Top-Highlights waren dieses Jahr ein kleines Lamm und die beiden Eulen nebst den beiden Falken.
Antonius’ Ruf als Schutzheiliger der Tiere beruht auf seiner Barmherzigkeit gegenüber Tieren. Erzählt wird die Legende: Ein Schwein hatte einst ein schwächliches, kleines Ferkel geboren, das sich kaum auf den Beinen halten konnte. Antonius segnete es, woraufhin es wieder laufen konnte. Dieses Ferkel war dem Heiligen so dankbar, dass es ihn fortan begleitete.
Sant Sebastiá, der Schutzheilige von Palma, wird am 19. und 20. Januar gefeiert. Highlight ist das Riesengemeinschaftsgrillen auf verschiedenen Plätzen der Stadt. Zudem gibt es zahlreiche Live-Konzerte. Jeder, der teilnehmen möchte, bringt Grillgut , Grillbesteck, Teller, etc mit und schmeisst dann sein Würstchen (vorzugsweise Sobrasada und nicht Thüringer) zu den anderen auf den Grill.

Besonders wichtig ist Ostern, Karfreitag. Hier spielt Ostern eine wichtigere Rolle als in Deutschland. Und zwar nicht in Bezug auf Ostereiersammeln und – anmalen sondern in Bezug auf Prozessionen. Diese sind in der Regel sehr aufwändig gestaltet und ein bisschen gruselig, denn die Bruderschaften gehen mit Dreiecksmützen, die an den Klu-Klux-Clan erinnern. Die größte ist die Karfreitagsprozession in Palma (Processó del Sant Enterrament), sie geht Abends los und dauert ca. fünf Stunden. Es erinnert an Karneval: hintereinander weg marschieren 32 Gruppen in unterschiedlichen Farben der verschiedenen Vereine mit jeweils der vereinseigenen Kapelle, ab und zu ein getragener Wagen mit einer Jesus- oder Madonnenstatue. In chronologischer Reihenfolge wird damit der Leidensweg Christi vorbeigetragen. Kamelle wird nicht geworfen, aber manche Büßer aus dem Zug stecken Kindern etwas zu, die sogenannten confits, mit Zucker überzogene Mandeln. Der Zug geht durch die Altstadt, die immer für eine feierliche schöne Atmosphäre sorgt, da sie warm ausgeleuchtet ist. Die Büßer in Kutte, die im Zug gehen, tragen eine große hohe Dreiecksmütze und müssen demütig schweigen. Sie tragen eine Kerze in der Hand, die nicht ausgehen darf. Damit das Wachs nicht auf die Straße tropft, begleiten Kinder die Prozession, die das Wachs der Kerzen ausstreichen. Der Zug gerät immer wieder ins Stocken, weil die Träger der Statuen ausruhen müssen. Von ihnen sieht man nur die Füße unter dem Aufbau hervorschauen. Einige Statuenwagen sind so groß, dass sie einen Einweiser haben, der vorweg geht und Anweisungen gibt, wohin die Träger (eh ganz laaangsam) laufen müssen.
San Fermines, die mallorquinische Variante des Sierlaufens aus Pamplona, wird rund um den 6. Juli in Palma gefeiert – vor allem von Jugendlichen. Alle Teilnehmer haben weiße T-Shirts an und dazu ein rotes Halstuch. Hier wird statt echten Stieren ein Stierkunstwerk auf Rädern benutzt, um die Menge „aufzuspießen“. Ausrichter ist die „Bar Espana“ und in den Straßen drum herum feiern über 2.500 Menschen und werden zur Abkühlung von den Balkonen mit Wasser bespritzt.
Besonders beliebt sind die traditionellen Feste „Moros y cristianos“. Diese thematisieren den erfolgreichen Widerstand gegen die maurischen Eroberer. 1229 eroberte König Jaume I. von Aragón Mallorca für die Christenheit „zurück“ (Reconquista). In mehreren Orten der Insel wird dieses Ereignis gefeiert, so in Port de Sóller, wo die Mauren jedes Jahr wieder vernichtend und lautstark geschlagen werden. Es gibt bei den Festivitäten eine klare Unterscheidung in „Gut“ und „Böse“. Und da keine der beteiligten Gruppen immer nur die „Bösen“ sein wollen, wechselt es jedes Jahr, welche Gruppe die „Guten“ spielen darf.
Was in Deutschland der 01. April ist, ist in Spanien der 28. Dezember – der Tag der Unschuldigen Kinder („Santos inocentes“). Vor allem die Medien machen regen Gebrauch und veröffentlichen an diesem Tag zahlreiche (Zeitungs-)Enten.
Kurz vor dem 31.12. sind besonders rote Unterhosen, deren Tragen Glück in Liebesdingen bringen soll, und zwölf Weintrauben in den Supermärkten gefragt: Silvester naht. Zu den zwölf letzten Glockenschlägen des Jahres um Mitternacht müssen zwölf Weintrauben verschlungen werden. Angeblich ist diese Tradition eine Erfindung von Weinbauern. Heute gibt es die Trauben einige Tage vor Silvester in vielfältiger Form zu kaufen: bereits abgezählt in kleinen Tütchen oder Dosen, geschält und entkernt oder bereits in einem passenden Sektglas drapiert. Denjenigen, die erst sehr spät erst zum Einkaufen kommen, bleiben nur die großen Weintrauben mit Kernen übrig, die ein Hinunterschlucken in der zur Verfügung stehenden Zeit nahezu unmöglich machen. Am Silvestertag läuft in fast jedem mallorquinischen Haushalt der Fernseher, der das Geschehen von dem zentralen Platz in Madrid namens „Puerta del Sol“ überträgt. Die Spannung kurz vor den letzten Sekunden vor Mitternacht steigt. Jeder hält sein Glas oder Schälchen mit den Trauben bereit. Die Glockenschläge ertönen vom Turm auf der Puerta del Sol, im Gebäude des „Königlichen Postamtes“ aus dem 18. Jahrhundert, in dem heute die Regierung der Region Madrid residiert. Nach dem letzten Schlag wird mit spanischem Sekt, dem cava, angestoßen und Umarmungen und Küsschen ausgetauscht: ¡Feliz año nuevo!


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