Armut auf Mallorca – Die Kluft wird immer größer

Es ist ein weltweiter Trend, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer mehr auseinander geht. Manch einen mag es aber verwundern, dass im spanienweiten Vergleich die Kluft auf den Balearen besonders stark ist.

Hier sind 306.000 Menschen von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht – fast ein Drittel der Bevölkerung. Waren es bis vor einigen Jahren noch überwiegend Einwanderer-Familien aus Südamerika, Osteuropa oder Marokko, die von Armut bedroht waren, trifft es nunmehr auch viele mallorquinische Familien.

Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat viel dazu beigetragen, beziehungsweise den bereits vor einigen Jahren dorthin weisenden Trend verstärkt. So ist auch auf Mallorca die Arbeitslosenrate hoch, vor allem unter Jugendlichen. Im ersten Quartal 2014 waren 152.500 Personen auf den Balearen erwerbslos gemeldet, was einer Arbeitslosenquote von 26,7 Prozent und damit in etwa dem spanischen Durchschnitt entspricht.
Die Armutsrate ist auch deshalb so hoch, weil viele Menschen aus allen Teilen der Welt hierher kommen in der Hoffnung, gutes Geld zu verdienen. Viele der Einwanderer aus aller Welt müssen sich dann mit meist schlecht bezahlten Saisonjobs über Wasser halten, deren Summe oft nicht für das ganze Jahr reicht. Die Mieten und Immobilienpreise sind demgegenüber extrem hoch. Kindergeld gibt es nicht und die sonstigen Sozialleistungen sind mit denen in Deutschland nicht zu vergleichen. Laut dem Nationalen Institut für Statistik (INE) lebt derzeit jeder fünfte Bürger in der Autonomen Gemeinschaft der Balearischen Inseln unterhalb der Armutsgrenze. Probleme in ganz Spanien, aber eben besonders auf Mallorca, sind häufig Kredite, die in guten Zeiten aufgenommen wurden und nun nicht mehr bedient werden können. Da auf Mallorca die Immobilienpreise und Wohnungskosten sehr hoch sind, ist das Ausmaß hier fataler. Mittlerweile können ein Drittel aller balearischen Haushalte ihre laufenden Wohnungskosten nicht mehr bezahlen.
Dies besagt die Studie „Armut und soziale Entwicklung in Spanien“ der Caritas-nahen Stiftung Foessa. Spaniens Wirtschaftskrise sorgt dafür, dass auch die Zahl der Wohnungslosen auf Mallorca wächst und die Not unter ihnen immer schlimmer wird – die Armenküchen füllen sich. Auf der Insel sollen auch etwa 100 deutsche Obdachlose leben, davon vielleicht 50 in Palma. Im Mai 2013 machte der Tod des Deutschen „Charly“ traurige Schlagzeilen: Er lebte in einem Abwasserkanal und war zuletzt so krank und schwach auf den Beinen, dass er sich offenbar nicht mehr wehren konnte, als ihn in seiner Elendsbehausung Ratten attackierten. Er wurde bewusstlos gefunden – der ganze Körper war mit Bissen übersät. Kurz darauf erlag er seinen Verletzungen.


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