Regionalstolz und Sprache

Alteingesessene mallorquinische Familien werden sich zunächst immer erst einmal als Mallorquiner und dann erst als Spanier verstehen. Das haben sie mit Basken, Galiciern und Katalanen gemein.
Mallorquí (Mallorquinisch) ist ein Dialekt des Català (Katalanischen). Und dies wiederum ist eine eigenständige romanische Sprache. Als Ausländer kann man sofort in einen großen Fettnapf treten, wenn man behauptet, Mallorquí (bzw. Català) wäre ein Dialekt des Spanischen. „Spanisch“ (Español) ist dabei seit dem achtzehnten Jahrhundert gleichzusetzen mit „Kastilisch“ (Castellano). In dieser Zeit konstituierte sich ein politischer Staat, der auf Kastilien und die Stadt Madrid ausgerichtet war. Durch einen Erbfolgekrieg verlor Katalonien seine Eigenständigkeit und Kastilisch wurde als spanische Amtssprache durchgesetzt. Dennoch wurde Català in Katalonien und auf den Balearen weiterhin im Privaten gesprochen. Zum Teil ist Català dem Französischen oder Italienischen näher denn dem Spanischen und wird von etwa 11,5 Millionen Menschen gesprochen. Das Sprachgebiet reicht vom Süden Frankreichs über Andorra, der Ostküste Spaniens entlang und sogar bis nach Sardinien in die Stadt Alghero. Català ist alleinige Amtssprache in Andorra, sowie, neben dem Spanischen, in Katalonien, in einigen Gebieten von Aragon, Valencia und auf den Balearen. Unter dem Diktator Franco war Katalan – wie auch die anderen Regionalsprachen – verboten um „Separatismusbewegungen“ auszurotten. Nach Francos Tod 1975 dauerte es noch drei Jahre bis alle Beschränkungen aufgehoben waren. Die neue spanische Demokratie billigte in ihrer Verfassung allen Bürgern zweisprachiger Regionen weitreichende Sprachenrechte zu. Heute sind die Balearen eine von 17 autonomen Regionen in Spanien. Diese sind durch Autonomiestatute mit bestimmten Kompetenzen in Gesetzgebung und Vollzug ausgestattet. Das Maß der jeweils eingeräumten Autonomie variiert dabei von Region zu Region. Neben dem Spanischen sind in folgenden Regionen weitere Amtssprachen zugelassen: Galicien (Galicisch), Baskenland und Navarra (Baskisch), Katalonien (Català und Aranesisch – letzteres ist faktisch nur im Val d’Aran von Bedeutung), Valencia (Valencianisch, eine Varietät des Català) und Balearen (Mallorquí als Varietät des Català).
Viele Mallorquiner verstehen die Regionalsprache als die wichtigere Sprache auf der Insel, so sind viele amtliche Dokumente oder die Ausschilderung in Behörden auch nur auf Català. Viele Ausländer sowie auch viele der Festlandspanier, die auf die Insel kommen, sprechen jedoch nur Spanisch. Treffen Mallorquiner auf Menschen, die des Katalanischen nicht mächtig sind, wechseln sie in der Regel auf Spanisch. Die Selbstverständlichkeit aber, mit der manche Personen – und man muss sagen, dass es viele Deutsche sind – davon ausgehen, dass Spanisch als Kommunikations-sprache eine Selbstverständlichkeit sei, stört manche Mallorquiner zu Recht gewaltig. Weit schlimmer ist jedoch, dass Mancheiner sogar davon ausgeht, Englisch oder Deutsch müsse von allen Mallorquinern beherrscht werden. So verwundern Aussagen von einem Einheimischen nicht wie: „Die Sprache dieser Insel ist Català. Natürlich sprechen wir auch perfekt Castellano, aber das wäre dasselbe, als ob zum Beispiel in einem deutschen Rathaus (zum Beispiel in Berlin-Kreuzberg) verlangt würde, daß man türkisch redet, weil es da viele Leute gibt, die türkisch sprechen“.


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