So sind wir, die Deutschen! :-)

Jeder Mensch ist einzigartig.
Jeder Mensch ist aber auch Teil von einer oder mehreren Kulturen.
Und: Jeder Mensch ist gleich, denn wir alle haben Emotionen.

Emotionen sind z.B.: Hoffnung, Angst, Freude, Leid, Liebe, Hass, Stolz oder Scham. Der Begriff “Emotion” lässt sich als innere Empfindung und die Reaktion auf diese beschreiben. Sie setzt sich aus Gefühlen, Denkprozessen und körperlichen Reaktionen zusammen.

Die Kultur prägt, wie wir mit Emotionen umgehen. In der einen Kultur ist es nicht erwünscht, Ärger zu zeigen (z.B. in vielen Ländern Asiens), in einer anderen Kultur ist das ein Ausdruck von Stärke (z.B. in Deutschland, dies gilt allerdings in der Regel aber nur für Männer).

Alle Kulturen basieren auf Werten und Normen. Diese können sehr unterschiedlich sein: In arabischen Ländern ist Vielehe für den Mann akzeptiert, Homosexualität nicht; in der „Westlichen Welt“ ist es genau andersherum. Nicht alle dieser Werte und Normen sind uns bewusst. Man kann Kulturen auch mit einem Eisberg vergleichen. Circa 10% der Bereiche einer Kultur liegen „über der Wasseroberfläche“, sind also leicht sicht- oder hörbar (z.B. Sprache, Bräuche, Kleidung, Essen), während der überwiegende Teil unter der Wasseroberfläche verborgen bleibt (wie z.B. Normen, Werte, Glaube, Philosophie). Diese Bereiche beeinflussen die sichtbaren Bereiche der Kultur sehr stark. Man kann eine fremde Kultur erst durch das Wissen um diese verborgenen Einheiten verstehen.

Um Kulturen in irgendeiner Form miteinander vergleichbar zu machen, haben Autoren wie Geert Hofstede, Fons Trompenaars, Edward T. Hall oder Erin Meyer sog. Kultur-Dimensionen entwickelt. Bei der Anwendung auf verschiedene Kulturen kann man dann herausfinden, ob eine Kultur zum Beispiel eher individualistisch oder kollektivistisch ist, eher maskulin oder feminin, eher Sach- oder Beziehungsorientiert. Der Soziologe Alexander Thomas wiederum hat aus den Erkenntnissen der Forscher:innen so genannte Kultur-Standards entwickelt. Sowohl für Dimensionen als auch für Kulturstandards gilt, dass sie natürlich niemals die ganze Gesellschaft abbilden. Sie geben aber eine Idee, wie die Mehrheit einer Kultur tickt.

In Deutschland ist meiner Meinung nach gerade ein großer Werte-Wandel zu erkennen. Er hat vor allem damit zu tun, dass die jüngeren Generationen (insbesondere die Generation Z, also die heute 14 bis 25-jährigen) neue Werte für sich in Anspruch nehmen. Recht einig sind sich die verschiedenen Generationen bei dem Wert „Gute Freunde haben, enge Beziehung zu anderen Menschen“: Er wird als wichtigster Wert mit Angaben zwischen 85,6% und 90,6 % genannt. Der Wert „Starke Erlebnisse haben, Abenteuer, Spannung“ hingegen ist lediglich 35,6 % der Generation X (die heute 41-55 Jährigen) wichtig, gegenüber 63,5 % der Generation Z. „Kinder haben“ wollen von der jüngeren Generation nur noch 36,8 %, während bei der Generation Z dies über 64 % als wichtig angaben (Statista.com).

Wenn hier im Folgenden nun die deutschen Kulturstandards genannt werden, ist dabei dieser Generationenaspekt nicht enthalten! Kulturstandards sind positiv belegte Werthaltungen, sie stellen eine Selbstverständlichkeit darüber dar, wie man sich in den verschiedensten Situationen “richtig” verhält. Die Schwierigkeit in Kontakt mit Menschen aus anderen Kulturen besteht allerdings darin, dass jede Kultur über ihre eigenen Standards verfügt und diese für „richtig und normal“ ansieht. Das Verhalten eines (fremden) Menschen beurteilt man anhand des eigenen Wertesystems.

Laut Alexander Thomas sind die Kulturstandards für „die Deutschen“:
■ Sachorientierung: Sachverhalte sind wichtiger als Beziehungen. Wenn man auf er Sachebene bleibt, ist das professionell. Beispiel: Bei einer internationalen Vereinbarung oder Kooperation werden deutsche Manager:innen im Zweifel erst einmal checken, ob diese auf der gleichen Sach-Annahme/Fakten fußt. Andere Kulturen, die beziehungsorientiert sind, werden zunächst versuchen eine gute Beziehung aufzubauen. Uns Deutschen ist dies im ersten Schritt nicht (so) wichtig, wir empfinden es womöglich sogar als Zeitverschwendung.
■ Regelorientierung: Generell werden Regeln geschätzt und als wichtig erachtet. Vereinbarungen werden eingehalten, Gesetze gelten für alle. Beispiel: Bei Geschäftsbesprechungen gibt es in der Regel eine Tagesordnung, die, geht es nach dem deutschen Geschmack, Punkt für Punkt abgearbeitet wird. Störungen oder Ablenkungen sind nicht erwünscht. Auf weniger regelorientierte- (so genannte flexible) Kulturen, wirkt unser Verhalten unflexibel. Teilweise kann sogar das Gefühl des mangelnden Vertrauens in die Geschäftspartner:innen entstehen.
■ Direktheit / Wahrhaftigkeit: Im internationalen Vergleich sind wir Deutschen eine der am direktesten kommunizierenden Kulturen. Das kann sehr hart, aggressiv und emotionslos wirken. Dahinter liegt der Wert „Wahrhaftigkeit“. Beispiel: Wir scheuen uns nicht, Kritik zu äußern, insbesondere wenn sie sachorientiert- (aus unserer Sicht „konstruktiv“) ist. Dies ist in anderen Kulturen nicht vorgesehen, da man selber oder das Gegenüber das Gesicht verlieren könnte. Denn in beziehungsorientierten Kulturen ist eine Kritik nie sachlich, sondern wird persönlich (beziehungsorientiert) verstanden. Auf uns wirkt eine von Menschen aus diesen Kulturen bevorzugte indirekte Kommunikation häufig schwammig und um den heißen Brei geredet.
■ Interpersonale Distanzdifferenzierung: Es wird Abstand und Zurückhaltung gegenüber den Angelegenheiten anderer Menschen erwartet. Beispiel: Es kann zu Missverständnissen kommen, wenn Menschen aus beziehungsorientierten Kulturen versuchen, im Smalltalk etwas über uns herauszufinden, um eine gute Beziehung zu uns aufzubauen. Wir empfinden das häufig als zu intim.
■ Zeitplanung: Zeit ist linear, kostbar und muss geplant werden. Beispiel: Menschen aus beziehungsorientierten Kulturen haben meist einen flexiblen Umgang mit Zeit. Denn es kann auf dem Weg zu einem Termin immer passieren, dass man jemanden trifft, und es wäre unhöflich, sich nicht zumindest eine kurze Zeit für den Austausch zu nehmen. Wir Deutschen empfinden es als respektlos und unverschämt, wenn jemand anderes mit unserer Zeit „spielt“.
■ Trennung von Persönlichkeits- und Lebensbereichen: Viele Deutsche schätzen die Trennung der verschiedenen Lebensbereiche (beruflich und privat). Davon zeugen auch Sprichworte wie “Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps“. Beispiel: Wenn wir von einem ausländischen Geschäftspartner zum Essen nach Hause eingeladen werden, kann uns das irritieren. Wir hingegen erscheinen im beruflichen Alltag unserem Gegenüber oft kalt und distanziert.

In der Kommunikation mit Menschen aus anderen Kulturen hilft es, sich der eigenen Kulturstandards bewusst zu sein. Hier nur noch ein paar Beispiele, wie wir Deutschen auf Menschen aus anderen Kulturen wirken. Diese Videos kann man beispielsweise Geschäfts-Partner:innen oder Kolleg:innen aus anderen Kulturkreisen zeigen….

Firas Alshater
ist in Damaskus / Syrien geboren und kam im Mai 2013 nach Deutschland. Heute ist er erfolgreicher Autor, Filmemacher, Schauspieler, Blogger, uvm… Das Foto zu diesem Beitrag stammt von dem Cover seines Buches „Versteh´ einer die Deutschen“, welches im Ullstein-Verlag erschienen ist.

Auf Deutsch:
https://www.youtube.com/watch?v=ZozLHZFEblY

Auf Arabisch:
https://www.youtube.com/watch?v=-1j5WxDBARk&list=PLi6_lV6u95P8UdBg9l7TBblbCRX7f8kVJ&index=2

Deutsche Welle
Die multimedialen Inhalte des unabhängigen, internationalen Medienunternehmen aus Deutschland erreichen wöchentlich über 289 Millionen Menschen weltweit – in 32 Sprachen.

In diesem Video wird die deutsche Kultur aus Sicht von Passanten auf der Straße gezeigt:
Kulturelle Unterschiede:

  • Stille in öffentlichen Verkehrsmittel
  • sehr direkte Kommunikation / Kritik wird geäußert
  • Pünktlichkeit wird geschätzt
  • Privatsphäre wird sehr geschätzt
  • weniger Familienzusammenhang / -halt

Deutsche Welle auf Englisch:
https://www.youtube.com/watch?v=hciUr8UMtJw

Martín
Ist in Peru geboren und lebt mit seiner deutschen Frau, die er dort kennenlernte, in Deutschland.

5 Dinge, die Martín an den Deutschen nicht gefallen:

  • Die Effizienz (z.B. weil an deutschen Supermarktkassen alles schnell, hektisch, ernst,… eben effektiv zugehen muss; kleine Pläuschchen oder Austausch von Nettigkeiten sind nicht vorgesehen)
  • Regelhörigkeit / Besserwisserei (die Idee, anderen zu sagen, was sie zu tun und zu lassen haben)
  • Angst (z.B. sich mit Klarnamen im Internet zu zeigen, fotografiert werden)
  • Versicherungen / Sicherheit (z.B. sich gegen alles versichern zu wollen / Unsicherheitsvermeidung-Tendenz)
  • Sehr direkte Kommunikation (und Sach- statt Beziehungs-Orientierung)

Martín ist „un latino en Alemania“.
Auf Spanisch:
https://www.youtube.com/watch?v=43FMstOSmZg

Andere Kulturstandards
Wenn man sich über Kulturstandards eines anderen Landes informieren möchte, bietet folgende Seite eine Vielzahl von so genannten „Pocket Guides“. Von Frankreich über Japan bis hin zu Namibia und Taiwan sind viele Länder dabei.
https://www.ihk-krefeld.de/de/international/aussenwirtschaftspraxis2/leitfaeden-links-und-literatur-zur-interkulturellen-kompetenz.html


2 Gedanken zu “So sind wir, die Deutschen! :-)

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