Von Teufeln und Drachen

Januar ist der Monat der Namensfeste. Besonders groß wird „Sant Antoni“ gefeiert – der Schutzheilige der Tiere. So z.B. mit der Tiersegnung in Palma, ein Riesenspektakel, wo man sein Tier segnen lassen kann. In einer langen Karawane ziehen Besitzer und Tiere von der Kathedrale durch die Stadt, um am Ende die Segnung zu empfangen. Dabei sind neben Hunden und Katzen auch Goldfische, Hamster, Mäuse, Falken, Uhus, Schildkröten, Vogelspinnen usw. Am Vorabend versuchen in der Regel die Dimonis, die Teufel, den heiligen Antoni in Versuchung zu führen. Nicht nur in Palma, in vielen Dörfern wird das gefeiert – meist bis spät in die Nacht.

Der weitere große Star des Januars ist „Sant Sebastian“, der Schutzheilige von Palma. Der Sage nach soll er Palma vor der Pest beschützt haben. Eine ganz Woche lang wird gefeiert. Los geht es mit Gemeinschafts-grillen und Konzerten in der ganzen Stadt. Alleine zehn Bühnen sind aufgebaut, auf denen unterschiedlichste Bands spielen. Am liebsten zieht man mit einer Riesentruppe von Freunden los. Überall in der Stadt sind öffentliche Grills aufgestellt. Man bringt sein Grillgut und Getränke mit und steht mit wildfremden Menschen um die Wurst. Erstmalig dieses Jahr gab es auf jedem Platz auch Vegetarier-Grills. Leider konnte sich diese arme friedferige, aber zahlenmäßig noch sehr kleine Spezies nicht gegen die vielen Carnivoren verteidigen, so dass die Zucchini und Tofuwürstchen einen Fleischgeschmack hatten. Es ist ein bisschen wie Karneval: Es sind fröhliche Menschenmassen unterwegs, überall Musik und ausgelassene Stimmung.

Die Folgetage finden weitere Konzerte statt, unter anderem von der baskischen Kultband Celtas Cortos. Als Abschluss dient in Palma der große Umzug (Correfoc). Er besteht aus Teufeln und Drachen, die Feuer speien und Leute erschrecken. Die Jugend tanzt mit den Teufeln unter Feuerfackeln. Diese kommen aus verschiedenen Stadtteilen Palmas, aber auch aus den Dörfern. Zwei Drachen werden im Zug mitgeführt, Sambabands sorgen für die lautstarke Untermalung. Es wird dringend empfohlen, feuerfeste Kleidung anzuziehen. Vergangenes Jahr beschwerte sich ein Leser der Mallorca Zeitung per Leserbrief über die gefährliche Veranstaltung und fragte, wo er Schadenersatz geltend machen könnte für Brandlöcher in der Kleidung. Die verantwortliche Kollegin antwortete, dass die Teilnahme auf eigene Verantwortung geschehe, dass auf Plakaten und in sonstigen Informationen auf die Gefahren hingewiesen würde und dass sie somit der Meinung sei, dass man leider niemanden zur Rechenschaft ziehen könnte. Tatsächlich wäre ein solcher Umzug in Deutschland garantiert nicht erlaubt….


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