Was „die Mallorquiner“ über „die Deutschen“ denken

Wenn man einen Mallorquiner fragt, was er über die vielen Ausländer auf der Insel und speziell die Deutschen denkt, wird er oder sie wahrscheinlich freundlich bis höflich etwas Positives antworten – wenn man nicht schon sehr gut miteinander bekannt ist.

Die Attribute für die Deutschen lauten dann: dass sie den Reichtum auf der Insel gemehrt haben, dass sie für Auskommen für viele Menschen im Tourismus sorgen, dass sie pünktlich, erfolgreich und zuverlässig sind und dass sie die alten Häuser fachgerecht und im alten Stil renovieren. Besonders letzteres hat den Deutschen in den vergangenen 20 Jahren einige Pluspunkte eingebracht. In den 1990er Jahren hingegen gab es noch ausländerfeindliche Tendenzen mit Graffiti wie „Deutsche raus“ (auf Deutsch und auf Mallorquí). Damals hatten Deutsche massenhaft Immobilien aufgekauft und besaßen fast über Nacht 20 % des Grund und Bodens der Insel. Auch wenn man im persönlichen Umfeld nie Rassismus zu spüren bekam, hatte ich damals (als Anfang 20-Jährige) den Eindruck, dass er recht weit verbreitet war, da der Slogan an Hauswänden und Mauern prangte. Dem war aber nicht so. Lediglich eine sehr kleine Zahl von zumeist jugendlichen Einheimischen tat so ihren Unmut kund – wurde aber von der Gemeinschaft recht bald in die Schranken gewiesen.
Heutzutage werden hier hinter den Kulissen die gleichen Vorurteile und Stereotypen bedient, die man auch anderswo über Deutsche nennt: Wir seien zu direkt, überkorrekt, besserwisserisch und gehen zum Lachen in den Keller.
Oder wie Joseph Moll Marqués in „So sind wir Mallorquiner“ schreibt: „In den Augen der Mallorquiner sind sie (die Deutschen) schon immer ,caps quadrats’ gewesen – Quadratköpfe, nämlich: stur und unflexibel, protzig und arrogant, rechthaberisch und starrköpfig“. Ein anderer mallorquinisch-katalaner Autor, Carlos Garrido, hat 1998 das Buch „Das Mallorca der Deutschen – Eine Reportage aus dem 21. Jahrhundert“ veröffentlicht. Es ist ein Roman, der im Jahre 2013 spielt. In der Vorstellung von Garrido gibt es darin eine neue „Rasse“ von Deutsch-Mallorquinern – er nennt sie „Mallorcaner“, Deutsche, die sich integriert oder sogar assimiliert haben. Zudem werden bei ihm die Mallorquiner durch Nacheifern der deutschen „Tugenden“ zu „Allemarquinern“.
Ob – wie manchmal behauptet wird – die Mallorquiner die Deutschen lieber haben als andere Nationalitäten, ist nicht bewiesen. Aber Josep Moll Marquès weiß: „Ich kenne keinen Mallorquiner, der nicht zurückgekommen ist und von Deutschland total hingerissen war.”


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