Alles alt

Zum dritten Mal fand in Campos das Treffen von Freunden historischer Fahrräder statt.
Um 12 Uhr herrscht am Samstag noch gähnende Leere auf dem zentralen Platz in Campos, nur ein paar leere Stände lassen darauf schliessen, dass hier im Laufe des Tages noch etwas passieren wird. Offiziell sollte um diese Uhrzeit die Einschreibung für die gemütliche Fahrradrallye rund um Campos, die Sa Voltadora, beginnen. Die wenigen Teilnehmer finden schließlich im Auditorium die Anmeldung für die Fahrradtour und die Abholung für das Picknick-Paket. Erst gegen 15.30 Uhr treffen auf der Plaça Can Pere Ignasi die ersten Standbetreiber ein: Fahrradanbieter und –ausrüster, Verkäufer von Vintage-Klamotten, Stände mit Getränken, lokalem Bier und Pep Lemon sowie typischen mallorquinischen Speisen. Man kennt sich und fachsimpelt. Allmählich füllt sich der Platz mit Besuchern und den späteren Teilnehmern des Straßenrennens, der Sa Volta. Teilnehmen darf man nur auf Fahrrädern, die vor 1987 gebaut wurden. Von 10-70 Jahren sind alle Generationen vertreten, fast alle in traditionsreichen Trikots. Großes Hallo, als ein im Stil der 20er Jahre gekleideter Schnauzbart auf seiner historischen Triumph einfährt – er wird später das Rennen anführen. Das historische Fahrradevent hatte 2013 Premiere und vergangenes Jahr mit strömendem Regen zu kämpfen. Erinnert werden soll mit dem Treffen an eine Mallorca-Rundfahrt, die vor 100 Jahren stattfand. Campos war damals eine Radsporthochburg mit eigenem Velodrom, welches 1934 erbaut wurde.
„Das ist das Tolle an Campos – hier findet immer etwas Besonderes statt“, sagt Dominik Kraehenmann. Der 35-jährige Schweizer betreibt an der Ortshauptstraße Carrer de la Plaça 9 die Immobilienagentur Kraehenmann Real Estate. „So wie mich gibt es hier in Campos viele, die die Liebe zum „alten Mallorca“ teilen.“ Er selber fährt bei der Sa Volta auf dem Bahnrad des Schweizer Olympiasieger Robert Dill-Bundi aus dem Jahre 1980 mit. Das Rennen startet um 17 Uhr quasi direkt vor seinem Büro. Fünf Runden rasen die 20 Teilnehmer rund um Campos. Nach zwei Runden zeichnen sich die späteren Sieger bereits ab: die Mallorquiner Miquel und Toni Febrer– Teilnehmer der ersten Stunde. Dritter wird Albert Zweifell.

Hauptorganisatoren des gesamten Events sind die italienische Architektin Nicoletta Mantoan und der französisch-mallorquinische Künstler Alejandro Dumon. Die Idee kam ihnen 2012 bei einem Workshop ihres Unternehmens „2 Monos“ auf ihrer Finca, als sie mit anderen Fahrradnostalgikern und Fans der 20-30er Jahre alte Fahrräder restaurierten. Mittlerweile beteiligen sich das Rathaus sowie viele Geschäfte, Bars und Restaurants an der Ausrichtung. Und die Bürger des Ortes öffneten ihre privaten Fotoalben, aus denen die Ausstellung im Auditorium über die Geschichte des Radsports in Campos bestückt wurde. Die Organisatoren wollen jedoch nicht nur für alte Fahrräder sondern auch für den Radsport generell Werbung machen und rufen dazu auf, so oft wie möglich das Fahrrad statt das Auto zu benutzen. Nicht nur, weil es ökologischer, sondern auch gesünder sei.

Nach der Siegerehrung finden sich alle Radfans wieder auf der Plaça ein, auf der es nun auch musikalisch in die alten Zeiten geht. Den Anfang macht die mallorquinische Swing-Band Monkey Doo, zu deren Musik die ersten Lindy Hopper zu tanzen beginnen. Lindy Hop ist ein Tanzstil aus den 30er Jahren, der zu Swing-Musik getanzt wird. Ursprünglich aus New York stammend, „hoppte“ er schließlich mit dem Flugzeug über den Atlantik nach Europa und feiert gerade überall sein Comeback. Zur Musik der ebenfalls mallorquinischen Band Long Time No Swing, zu Saphie Wells & The Swing Cats aus Barcelona und zu Troy Savoy aus Österreich finden sich immer mehr Tänzer und Besucher ein, es wird gelacht und gefeiert. Das Grande Finale bietet der Electroswing-DJ Dominik Tominger aus Algaida, so dass schliesslich auf dem Platz nichts mehr an die gähnende Leere des Vormittags erinnert.

Foto: 2 Monos


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