Die Welt ändert sich

Ich finde, man muss kein Pessimist sein, sondern ein Realist, um zu sehen: so geht es nicht weiter. Wir alle leben auf Kosten unserer einzigartigen, wunderschönen Natur. Und auch auf Kosten der Menschen in den Ländern des Globalen Südens. Aber gerade weil der Raubbau immer weiter und hemmungsloser betrieben wird, weil die Umwelt immer weiter radikaler verschmutzt wird, immer größere Flächen von Wäldern abgeholzt werden, etc.etc. …. bildet sich Widerstand.

Er findet im Kleinen statt, wie im Gespräch mit Mari Carmen, die ich an der Bushaltestelle kennenlernte und die als Reinigungskraft in einem der teuersten Hotels Mallorcas arbeitet. Sie liest (zufällig?) wie ich gerade von Jean Ziegler „Ändere die Welt“ und erzählte mir, dass sie ihre (kleinen) Ersparnisse in eine ethisch arbeitende Bank investiert. Oder gestern Mittag in der Kantine der Redaktion: zwei der Techniker unterhielten sich über die ungerechte Finanzverteilung auf der Insel: Superreiche mit ihren Häusern und Yachten, die mehrere Millionen Euro kosten und oft nur einmal im Jahr genutzt werden und auf der anderen Seite die Zunahme der Menschen, die täglich vor der kostenlosen Mittagessenausgabe der Kirche anstehen (im unten genannten Film wird benannt, dass zwischen 2008 und 2011 die Armut hier um 80 % zugenommen hat!).

Aber der Widerstand findet sich auch in größeren –und zumeist internationalen- Gruppen auf Mallorca zusammen: In einem aufwändig gedrehten Dokumentarfilm über die Zukunft der Balearen (www.illesdefutur.org , auf Katalan und Spanisch) werden die vielen positiven nachhaltigen Initiativen und Projekte vorgestellt, die auf Mallorca entstehen. Die Zahl der an solchen Projekten beteiligten Menschen wächst kontinuierlich – hier wie anderswo. In diesem, meinem Blog soll es ja vor allem um „Interkulturelle Kommunikation“ gehen. Ich habe das Gefühl, dass sich bei dem Thema „die Zukunft unserer Welt“ ähnlich gestrickte Menschen zusammenfinden, die über unterschiedliche kulturelle Identitäten hinweg sehr gut miteinander kommunizieren. Die Sorge um die Zukunft der Welt läßt Menschen anscheinend näher zusammenrücken und kulturelle Vorurteile abbauen. Dabei kommen neben vielen ernsten Gesprächen wunderbare lustige Situationen zustande (s.u.).

Die deutsche Gesellschaft ist bekanntermaßen Vorrreiter bei den Themen Umweltschutz und Energiesparmaßnahmen. So sind es auch einige Deutsche, die hier nachhaltige Projekte anstoßen und -anders als bei anderen klassischen deutschen „Projekten“ auf der Insel wie Restaurants, Hotels und Geschäften- werden diese auch von der einheimischen Bevölkerung begeistert angenommen: das Label „Pep Lemon“ von dem Deutschen Christoph Hafner mit seiner mallorquinischen Frau Carme Verdaguer ist gerade einmal wenige Jahre alt und hat schon Kultstatus. Zitronen, die jahrelang aufgrund des Preisverfalls nicht mehr geerntet wurden, werden nun für die Bio-Zitronenlimonade Pep Lemon verwendet. Da sie etwas teurer als die herkömmlichen Limonaden ist, geht es sich aus. Und: sie ist Bio, schafft Einkommen im ländlichen Raum und in der Behindertenwerkstatt ,Amadip Esment‘, wo die Zitronen weiterverarbeitet werden, es werden die Flaschen von der letzten Abfüllanlage auf Mallorca verwendet und sie schmeckt super. Der Erfolg liegt sicherlich auch an der kreativen Werbung, die Hafner und seine Frau mit Freunden machen: https://www.youtube.com/watch?v=zKAcKzhI5zA .

Auch immer mehr Biohöfe enstehen. Vor 20 Jahren gab es erst zwei Biobauern auf Mallorca, die Produkte mit dem Bio-Siegel produzierten, heute sind es etwa 400. Die dazugehörige Behörde nennt sich „Consell Balear de la Producció Agraria Ecológica“ und wurde 1994 gegründet. Und der Bedarf wächst – auch, aber nicht nur dank der deutschen Residenten. Der Verkauf von Bioprodukten findet direkt ab Hof statt wie auf „Sa Casa Pagesa“ nahe Palmas Universität, auf der Biofinca „La Real“ in der Nähe des Kino Ocimax bei Palma, in „Sa Teulera“ und „Son Ravanell“ bei Manacor, „Son Barrina“ bei Llubí, „Son Gall“ bei Porreres, „Ca´n Caló“ bei Sencelles, „Binifela“ bei Cala Ratjada (dort ist das Foto entstanden) oder auf der Biofinca von Peter Maffay „Ca´n Sureda“ bei Pollenca.

Auf Wochenmärkten – wie beispielsweise in Palma und Santa Maria – haben sich schon eigene Öko-Sektionen entwickelt. In anderen Orten wie Campos, Inca, Valldemossa gibt es vereinzelte Biostände. In Kooperativen wie „Aixó es vida“ (www.aixoesvida.com ) und „S´Altra Senalla“ kann man individuelle Kisten bestellen, die an Abholstationen abgeholt werden können. „Mister Eco“ (www.mistereco.es ) ist ein recht neuer Webshop, der direkt nach Hause liefert. Und natürlich kann man in speziellen Biomärkten einkaufen wie dem Pionier „Biodespensa“ an der Straße Andrea Doria in Palma, in der Markthalle Santa Catalina, in Supermärkten wie Alcampo, Carrefour oder Drogueriemarkt Müller und in den Restaurants inklusive Geschäft der Behindertenorganisation Amadipsment in Palma und Palmanova.

Für die Familien, die nicht das Glück einer eigenen Finca haben, gibt es Selbsterntegärten, z.B. auf der „Biogranja La Real“ vor den Toren von Palma. Etwa 50 Familien arbeiten dort auf ihren Parzellen, meist am Wochenende. Ein Beet kostet 50,- Euro im Monat, inklusive der Setzlinge, Beratung, Wasser und Kompost. Nach der Gartenarbeit kann man in den Räumen des ehemaligen Klosters bei „Mutter-Kind-Yoga“ oder einer Massage entspannen… Hier spielt die Gemeinschaft eine weit größere Rolle als nur für das Zusammenarbeiten im Garten. Und: sie ist international.

Auch bei der größten Naturschutzorganisation GOB sind viele Residenten aktiv – sie haben sogar mit Gerald Hau einen deutschen Sprecher. Bei der Unterschriftenaktion auf der Plattform change.org haben bereits fast 6.500 Menschen gegen den Ausbau des Hafen von Puerto Portals unterschrieben – darunter viele Ausländer. Auch beim Fairen Handel („Comercio justo“, auf Mallorca vor allem in den Weltläden von Vicente Ferrer, S´Altra Senalla, Caritas und Deixalles umgesetzt) funktioniert die Interkulturelle Kommunikation.

Gezeigt wurde oben genannter Film „Illes de Futur“ übrigens im Cine Ciutat, einem Programmkino im Kulturzentrum S´Escorxador in Palma. Der ehemalige Schlachthof beherbergt zahlreiche soziale Projekte und hat seit Anfang des Jahres eine Markthalle mit Gastronomie-Ständen, die sehr gut angenommen wird. Das Kino zeigt vor allem ausländische Filme im Original mit Untertiteln und ist sozial- aber nicht kommerzorientiert. Man kann dort für 100,- Euro im Jahr eine Mitgliedschaft erwerben…. Damit auch weiterhin so etwas möglich ist: Der Film „Illes de Futur“ wurde kostenlos gezeigt.


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