Du bist mir wichtig!

Spanien, und damit auch Mallorca, hat eine beziehungsorientierte Kultur. Im Gegensatz zu der sachorientierten deutschen. Das ist einer der Gründe, warum es in manchen Situationen zwischen Deutschen und Spaniern zu Missverständnissen kommt.

Zum Beispiel festzustellen beim gemeinsamen Bezahlen von Rechnungen. Das Konzept in Spanien ist, dass einer für alle die Rechnung am Ende des Essens bezahlt – und jedem ist dabei bewusst, dass auf Dauer jeder einmal drankommt. Bei diesem Konzept geht es um die Geste. Dies gilt sowohl im Privaten wie auch im Beruflichen. Es wird auch nicht danach geschaut, wer eigentlich Gastgeber und wer Gast ist. In unserer deutschen Kultur hingegen geht es um die Sache. Das Rechnung-Bezahlen hat nichts mit der Beziehung zu tun, die man mit seinem Gegenüber hat. Es ist ein völlig beziehungsfreier Vorgang. Wenn nicht vorher eine Einladung ausgesprochen wurde, wird eben geteilt. Spaniern wird spätestens jetzt unwohl.

Aber auch vor und während des Essens agieren Spanier und Deutsche unterschiedlich. Essengehen dient Spaniern nicht nur der Nahrungsaufnahme, sondern dem Aufbau oder der Fortentwicklung einer guten Beziehung. Daher zieht sich ein Essen gerne auch einmal in die Länge. Wir Deutschen werden irgendwann unruhig, insbesondere, wenn es sich um ein Arbeitsessen handelt. Das erscheint uns als vergeudete Zeit, die nicht im Sinne des Arbeitsprojektes ist. Anders in Spanien: Hier muss zunächst einmal eine gute Beziehung und Vertrauen untereinander aufgebaut werden, damit man gut und vertrauensvoll zusammenarbeiten kann.

Wir sind mit unserer Sach-Orientierung weltweit eher (noch) in der Minderheit. Uns ähnlich sind Kulturen in den USA, in Westeuropa und Australien. Aber weltweit zahlenmäßig überlegen -da in weiten Teilen Lateinamerikas, in Afrika und Asien- sind die Menschen (eher) beziehungsorientiert. So eben auch in den südeuropäischen Ländern wie Italien, Griechenland oder Spanien.

Womit man sich in einer spanischen Runde in gar keinem Fall Freunde macht, ist, immer wieder auf dem Abarbeiten des eigentlich anliegenden Arbeitsprojektes herumzureiten. Besser lässt man sich auf Smalltalk ein, plaudert ungezwungen über Familie und Hobbys und erzählt auch mal einen Schwank aus der Jugend.

Wir Deutschen sind auch noch in anderen Aspekten ganz anders als Spanier. Wir gehören zu den sogenannten „reservierten“ Kulturen, während Spanier tendenziell „expressive“ Kulturen sind, das heisst, dass Körperkontakt viel üblicher ist. Es wird gerne angefasst, umarmt und geküsst. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass man hier durch häufiges Üben sehr schnell Erfolge bei sich erzielen kann und sich schließlich bei einer für deutsche Verhältnisse unterschrittenen Intimdistanz gar nicht mehr unwohl fühlt.

Am besten übt es sich natürlich erst einmal mit Freunden, Steigerungen können mit Bekannten erfolgen und die hohe Kunst ist, auch einem Fremden im Gespräch den Arm zu tätscheln. Insgesamt geht es sowohl bei dem Konzept der Beziehungsorientierung wie auch bei der Expressivität darum auszudrücken: „Du bist mir wichtig!“


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