Hunde & Bars – Spiegelbild der Gesellschaft?

Auf Mallorca gibt es überdurchschnittlich viele kleine Hunde. Die meisten davon sind mehr oder weniger Reinrassige der mallorquinischen Sorte Ratero.
Der Ratero ist ein glatthaariger Hund, meist schwarz oder schwarz-braun, etwa in der Größe eines Pinschers. Er ist der kleinste unter den drei endemischen (nur hier vorkommenden) Hunderassen. Das Verhältnis der Körperhöhe zur Körperlänge ist etwa 1:1, das heißt, er hat also einen quasi quadratischen Körper. Er ist ein guter Wachhund und sehr selbstbewusst.

Die beiden anderen mallorquinischen Hunderassen wurden vor allem für die Arbeit auf dem Land gezüchtet. Der Ca de Bestiar wird auch Mallorca-Schäferhund, Pastor Mallorquí, genannt. Er wird schon seit Jahrhunderten zum Hüten von Schafherden eingesetzt. Er gilt als überaus mutig, aber auch stur und dickköpfig.

Der Ca de Bou wird auch als Mallorca-Dogge bezeichnet und wurde ursprünglich gezüchtet, um Stiere zu hüten, später wurde er bei Hundekämpfen eingesetzt. Er ist kräftig und beeindruckend und seinem Herrn absolut treu ergeben. Fremden gegenüber ist er unbestechlich.

Keine dieser drei Rassen würde man als süß, niedlich oder lieb bezeichnen. Während wir Deutschen uns freuen, wenn wir über unseren Hund hören „Oh, ist der / die aber nieeedlich“, mögen es Mallorquiner lieber, wenn über ihren Hund gesagt wird: „Oh, der ist ja schlau / stolz / mutig ….“.

So sind Mallorquiner (ebenso wie Festlandspanier) vorzugsweise auch in den „hässlicheren“ Bars unterwegs. Fast immer, wenn man eine richtig volle Bar sieht, ist sie (aus deutscher Sicht) hässlich, oder zumindest unscheinbar. In der Regel wird mit grellem Neonlicht auch der letzte Winkel ausgestrahlt, der Fliesenboden ist praktisch, das Mobiliar einfach, es gibt keinerlei Deko-Elemente – außer einem Glücksspielautomaten. Dazu der ständig laufende Fernseher: Je nach Publikums- oder des Wirtes Wunsch werden Fußball, Reality-Soaps oder Nachrichten übertragen in einer Lautstärke, dass man die Kommunikation dementsprechend anpassen muss. Die Kellner sind für den deutschen Geschmack oft unaufmerksam bis ruppig.

Wir Deutschen (aber auch Skandinavier, Briten, Schweizer, etc.) neigen eher dazu, in die „schönen, gemütlichen“ Bars zu gehen, wo sich das (gerne deutsche) Personal aufmerksam um uns kümmert und wir am liebsten schon beim zweiten Besuch als Stammgast begrüßt werden. Ein gutes Beispiel ist das „Coto“ in Palma, eine pinke flauschige Bar am Plaza Drassana. Dort kann man sich gepflegt unterhalten, der Service ist schnell, selbst auf der Toilette ist jedes Fleckchen liebevoll dekoriert…. Und „die Mallorquiner“? Sie gehen lieber in die völlig unscheinbare und etwas abgeranzte Tapasbar gegenüber. Und was soll man sagen… es geht dort lustiger zu, das Bocadillo ist wesentlich günstiger, der Wirt hat einen feinen schwarzen Humor und man darf seinen schlauen / stolzen / mutigen Hund mitbringen.

P.S.: Das Foto ist von der Tierschutzorganisation Peta und heißt „So trägt man Pelz“. Zu sehen Jorge Gonzalez, der im Gegensatz zu seinem Hund, den er aus dem Tierheim gerettet hat, kein reinrassiger Mallorquiner ist.

 


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