Nicht alle Ausländer sind gleich

Die Mallorquiner teilen Fremde in verschiedene Kategorien ein: Forasters, catalans und estrangers. Zu der Gruppe der “Forasters” gehören ausschließlich alle Spanier, die nicht Katalanen sind. Die „Catalans“ gehören in eine Extraschublade, in der den „Valencianos“ ein kleines Extrafach eingeräumt wird. “Estrangers” schließlich sind alle anderen Ausländer, inklusive der „Guiris“, die aus der Nordeuropa-Schublade stammen, den „moros“ aus Nordafrika, den „latinos“ für alle Lateinamerikaner, den „rumanos“ für alle Osteuropäer, den „negros“ – ohne Worte – und den „chinos“ für alle Asiaten.
Forasters stellen etwa 15% der Bevölkerung. Beliebter als Estrangers sind sie bei den Mallorquinern trotz immerhin einer gemeinsam gesprochenen Sprache meist nicht. Es sei denn, sie heiraten in eine mallorquinische Familie ein. Die Frucht einer solchen Verbindung nennen manche dann „mig forasters“ – gemischter Spanier. Wann man ein „echter Mallorquiner“ ist oder wird, ist schwer auszumachen. Unter dem Pseudonym Guy de Foraster ist ein interessantes Buch „Geliebte Mallorquiner“ erschienen, dessen Autor Katalane ist. Er bezeichnet sich auch so, obwohl er seit seiner Kindheit auf der Insel lebt.
Die Finca, auf der die Autorin wohnt, gibt ein wunderbares Spiegelbild dieser Multikultigesellschaft ab. Die 11 Parteien teilen sich auf in Forasters (zwei Damen aus Madrid, ein Andalusier und ein Canario), einen Catalans sowie diverse Estrangers (vier Deutsche, eine Italienerin, zwei Usbekinnen und eine polnische Familie). Und das Beste: zwei Parteien mit Mallorquinern und einen eineinhalb-jährigen mig Forasters gibt es auch!
Manch Mallorquiner teilt auch die Bewohner der Balearen noch auf: „Gent externa“ sind diejenigen, die nicht vom Land stammen (sondern aus einer „großen“ Stadt stammen) und nur für Feste dort einfallen, „Gents extera / lloguets (das sind längliche Brötchen) / palmesanos“ steht für Bewohner der Hauptstadt, über die spöttisch gesagt wird, dass für sie jenseits der Avenidas das lebenswerte Leben zuende sei. „Menorquins, Ibicencos, Formenterers“ werden auch gesondert aufgeführt, da ein Verständnis „Wir sind Balearier“ hier nicht existiert.


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