Weltweite Vergleiche

Ich bin gerade am aussortieren … dabei ist mir ein Buch in die Finger gefallen “Wirklich wahr!” von Simon Hadler, 2017. Daraus möchte ich ein paar interessante Details teilen, wie es in unserer Welt so zugeht (welche natürlich weit über mein eigentliches Thema “Interkulturelle Kommunikation” hinausgehen)… 

Thema Arbeit

2014 verdienten Bulgar:innen nur 1,67 € in der Stunde und waren damit das Schlusslicht in der EU; der durchschnittliche Nettostundenlohn lag bei 13,2 Euro. Deutschland lag mit 15,67 € darüber, Spitzenplatz hatte Dänemark mit 25,52 € (in neueren Statistiken liegen folgende Länder vor Dänemark: Monaco, Norwegen, Liechtenstein und Luxemburg).

Wenn man Erwerbsarbeit und Hausarbeit zusammen zählt, dann arbeiten Frauen in den allermeisten Ländern der Welt pro Tag mehr als Männer. Ausnahmen sind etwa Norwegen, Schweden und die Schweiz.

Thema Alkoholkonsum

Am meisten wird in Weißrussland gesoffen, danach folgen Moldawien, Litauen, Russland. Auf den weiteren Plätzen, Portugal, Finnland und Frankreich. Ein/e durchschnittliche Weißruss:in trinkt im Jahr 17,5 l reinen Alkohol, das entspricht etwa 2800 Shots Wodka, also fast acht am Tag.

Thema Gewalt

Im Buch wird Stephen Pinker zitiert mit seinem Buch „Gewalt. Eine neue Geschichte der Menschheit“. Er fand heraus, dass Gewalt immer weniger wird, auch wenn es uns anders erscheint. Im gesamten 20. Jahrhundert starben relativ gesehen rund zehn mal weniger Menschen durch Gewalt als im historischen Jahrhundert im Schnitt der Gesellschaften vor der Antike, beziehungsweise außer-europäischer Gesellschaften vor der Kolonialisierung.

Eine der gefährlichsten Städte der Welt ist Ciudad Juárez im Norden Mexikos. In der 1,3 Millionen Stadt werden durchschnittlich sieben Menschen pro Tag ermordet.

Die Rüstungsindustrie floriert. Insgesamt geben nach wie vor die USA am meisten für Rüstung aus. Im Buch ein spannender Vergleich zwischen dem Verhältnis von Militärausgaben und Bruttoinlandsprodukt. Bei diesem Ranking führt der Oman mit mehr als 16 % des BIP für Rüstung, gefolgt von Südsudan, Saudi-Arabien, Irak, Algerien, die Arabischen Emirate und Israel.

Thema Krankheit

Diabetes tötet jedes Jahr mehr als 50 mal so viele Menschen wie alle Attentate zusammen.

Thema Kognitive Dissonanz

Es werden weltweit immer mehr Autos mit Verbrennungsmotor verkauft, auch wenn noch so viel von Elektroautos die Rede ist… der weltweite Kohleverbrauch wird bis 2040 noch steigen. Die Fleischproduktion steigt weiterhin, im Schnitt isst jede/r Einzelne doppelt so Fleisch wie vor 50 Jahren.

“Obwohl die Österreicher immer mehr Angst vor dem Klimawandel haben, gibt es im Land immer mehr Autos.” (das gilt sicherlich für andere Länder wie Deutschland, Schweiz,… auch).

Thema Weltbevölkerung

Im Buch wird auf eine Website hingewiesen www.worldometers.info , auf der man zum Beispiel in Echtzeit zusehen kann, wie die Menschheit wächst oder wie viel jede Sekunde für Bildung, Gesundheit und Rüstung ausgegeben wird.

Dort lernt man auch, dass Indien mit über 1,471 Milliarden Menschen mittlerweile China als bevölkerungsreichstes Land überholt hat. Es folgen die USA, Indonesien, Pakistan, Nigeria, Brasilien, Bangladesch und Russland.

Thema Work Life Balance

Laut dem Better Live Index der OECD führte 2017 Frankreich die Liste der Länder an, wo Work Life Balance ein wichtiger Faktor ist. Sie schlafen lange und, wenig überraschend, verbringen die meiste Zeit mit Essen und Trinken. Es folgen die Länder: Spanien und die Niederlande. 

Apropos Thema Schlaf: hier wird noch eine andere Studie angeführt (unter 50 untersuchten Ländern), nach der die Menschen in Neuseeland am meisten schlafen, gefolgt von den Niederlande und Finnland. Schlusslicht bildet Japan.

Thema Utopie

Bei diesem Thema möchte ich eine ganze Strecke aus dem Buch zitieren. Es geht unter der Überschrift “Die 15 Stunden-Woche” um den Autor Rutger Bregman (u.a. “Im Grunde gut”): “… Er schlägt vor, die wöchentliche Arbeitszeit auf 15 Stunden zu beschränken und alle Menschen mit einem bedingungslosen Grundeinkommen auszustatten. Das Ganze natürlich weltweit gleichzeitig, und am besten sollte man zusätzlich die Grenzen öffnen, wobei jede Art von Migration ohne Einschränkung erlaubt wäre. Bregman … sammelte für seinen Vorschlag viel argumentatives und faktengetränktes Unterfutter. … seine Argumentationslinie (sehr verkürzt): die Welt steuert durch die zunehmende Automatisierung auf ein großes Arbeitslosigkeitproblem zu. Warum also nicht die verbleibende Arbeit gerecht aufteilen? Dasss es in zahlreichen Details bei der Umsetzung haken würde, bestreitet Bregman gar nicht. Er pariert charmant: Aber hakt es beim Status Quo nicht auch? Seine Theorien seien eben auf lange Sicht gedacht. Das ist der Job der Utopisten…”.

Sonstiges

In dem Buch wird außerdem auf die “Unstatistik des Monats” hingewiesen. Der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, der Bochumer Ökonom Thomas Bauer und der Dortmunder Statistiker Walter Krämer haben im Jahr 2012 die Aktion „Unstatistik des Monats“ ins Leben gerufen. Sie hinterfragen jeden Monat sowohl jüngst publizierte Zahlen als auch deren Interpretationen. Vorletzter Artikel z.B. über “Femizid-Statistik: Von 0 auf 360 – warum präzise Zahlen Frauen besser schützen“.

Und aus anderen Quellen (u.a. Statista): 

Thema Kommunikation

Die Zahl der gegenwärtig verwendeten menschlichen Sprachen liegt in der Größenordnung von etwa 7000. 

Die fünf meist gesprochenen Sprachen der Welt sind: Englisch, Mandarin, Hindi, Spanisch und Arabisch. Weit über eine Milliarde Menschen sprechen Englisch, zwei Drittel davon als Fremdsprache. … ein Siebtel der Weltbevölkerung versteht kein Englisch. 

Das bringt mich zu meinem eigenen persönlichen Leben: ich lebe seit zwei Jahren in einer katalanischsprachigen Community. Alle anderen außer mir sprechen katalanisch (das ist auch die verwendete Sprache in unserem gemeinsamen Chat), weil sie entweder hier geboren sind, oder es in den letzten Jahren gelernt haben. Ich leider noch nicht. Ich verstehe fast alles und meine eigenen Beiträge im Chat schreibe ich auch auf katalanisch, allerdings mit der Hilfe von Deepl. Nicht nur einige hier in meiner Community, sondern auch andere meiner Freund:innen sprechen lieber Englisch als Hochspanisch (Castellano). So lernen wir alle: ich immer mehr katalanisch und mein Umfeld mehr Englisch… Deutsch wollte komischerweise noch keiner lernen…


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